U21-EM 2015 in Tschechien (17.-30.6.2015)

Andruv Stadion in OLmütz

Aufatmen war angesagt nach der Auslosung zur U21-EM. Gruppe A für das DFB-Team bedeutete: Vorrunde in Prag für das DFB-Team. Es gibt schlechtere Städte. Und am Ende sprang bei meinem Tschechien-Aufenthalt - der, so viel vorweg, nichts mit Hopping zu tun hatte und daher hier kurz gehalten wird - sogar noch ein Abstecher nach Olmütz heraus. Bestens!

Deutschland gegen Serbien
Deutschland - Serbien 1:1 (Vorrunde in Prag, Sparta-Stadion, 17.6.2013)

Zum Auftakt gab es Altbekanntes: Das Stadion von Sparta Prag ist seit 2009 zwar etwas aufgehübscht worden, hat sich im Großen und Ganzen aber kaum verändert. Für ein wenig Verwunderung sorgte die Zuschauerzahl: Von 15.000 war zuvor offiziell die Rede, am Ende wurden es nur 5490. UEFA und tschechischer Fußballverband gerieten ein wenig in Erklärungsnot, als Gründe wurden unter anderem die zu billigen Karten (ab 2 Euro) angeführt, viele Besucher seien daher einfach nicht erschienen. Ob es so war?

Auf dem Rasen gab es eine schwache erste Halbzeit des DFB-Teams. Serbien, dessen U20-Team wenige Tage später in Neuseeland völlig überraschend Weltmeister wurde, war technisch sogar überlegen. Insgesamt eine durchwachsene Vorstellung und ein Vorgeschmack auf das, was da noch kommen sollte.

Stadion Eden

Deutschland – Dänemark 3:0 (Vorrunde in Prag, Stadion Eden, 20.6.2013)

Drei Tage später ging es in Prags Südosten, mit der Tram vorbei am Bohemians-Stadion bis hin zur Arena von Slavia Prag. Seit 1948 kickt der Traditionsklub im Stadtteil Vrsovice, und wenig überraschend wurde das Stadion auch für die U21-EM ausgewählt. Der im Mai 2008 eröffnete Neubau hat schon ein paar Namensänderungen hinter sich, für die EM hieß das Voreck ganz neutral Stadion Eden.

Stadion Eden
Am heutigen Samstag war wie zu erwarten auch der Zuschauerzuspruch größer, gerade aus Deutschland war doch einiges angereist, was sich nicht zuletzt in der Zaun-Beflaggung widerspiegelte. Immerhin 13.268 Zuschauer sahen den besten Turnierauftritt der deutschen Mannschaft, die nach dem deutlichen Sieg wieder offen vom Titel sprach. Überragend übrigens Amin Younes - was der Kerl drauf hat, wenn man ihn lässt - undglaublich.

Deutschland – Tschechien 1:1 (Vorrunde in Prag, Stadion Eden, 23.6.2013)

Vor dem letzten Gruppenspiel wurde noch höchstselbst gekickt. War bislang Osnabrück das größte Stadion, in dem ich über den Rasen laufen durfte (Vorspiel mit dem FP-Team), ging es nun ins Evzena Rosickeho. Leider mit weniger erfreulichen Folgen: Bänderriss im rechten Sprunggelenk, diagnostiziert vom DFB-Arzt höchstselbst. Grmpf.

Eden
Gegen den Gastgeber ging es wieder hinüber ins Eden, und endlich wurde es einmal richtig voll: 18.068 Zuschauer, fast alles Tschechen und auf ein kleines Wunder des Gastgebers hoffend. Deutschland reicht ein Remis, um das Halbfinale zu erreichen und damit ganz nebenbei das Olympia-Ticket zu lösen. Nach dem Ausgleich im zweiten Durchgang geriet dieses Ziel noch ernsthaft in Gefahr, aber mit ein wenig Glück hieß es am Ende: Erstmals seit 1988 fährt wieder eine deutsche Mannschaft zu Olympischen Spielen. Brasilien 2016 - kling irgendwie reizvoll.

Deutschland – Portugal 0:5 (Halbfinale in Olmütz, Andruv-Stadion, 27.6.2013)

Einmal Olmütz, bitte! Äußerte ich mich weiter oben froh über eine Vorrunde in Prag, war ich umso froher, zumindest einmal in den Osten nach Olmütz zu kommen. Der alte Stadtkern ist ein Gedicht, das Essen sowieso, und Gerüchten zufolge hat auch das Nachtleben einiges zu bieten. Top!

Stadion Olmütz
Nur zehn Gehminuten vom Zentrum entfernt steht das Andruv-Stadion, das zweifellos schönste der vier EM-Stadien (Nummer vier Uherske Hradsiste). Die beiden Tribüne hinter den Toren sind schon sehenswert, besonders natürlich die halbrunde, äußerst steile und hohe.

Zumm Halbfinale gegen Portugal kamen 9876 Zuschauer, darunter dank des Samstags auch wieder einige aus Deutschland. Machten diese anfangs mit "Die Nummer eins der Welt sind wir" noch auf dicked Hose, verschlug es ihnen schnell die Sprache. Am Ende hieß es 5:0 für die in allen Belangen überlegenen Portugiesen, gleichbedeutend mit der höchsten Niederlage des deutschen U21-Geschichte. Schon krass.

Noch in der Nacht ging es zurück nach Prag, um drei Tage später im wahrsten Sinne des Wortes zum Finale zu schreiten.

Finale

Schweden – Portugal 4:3 i.E. (Finale in Prag, Stadion Eden, 30.6.2013)

Auf zum letzten Gefecht! Und endlich auch mit ein wenig Stimmung in der Bude. Gut 2000 Schweden machten sich hinter dem Tor breit, alle in Gelb, alle angesichts der für skandinavische Verhältniss lächerlichen Bierpreise bestens gelaunt. Diese Schweden, man muss sie einfach mögen.

Insgesamt 18.600 Zuschauer sahen ein spannendes Endspiel, das leider in 120 Minuten torlos blieb. Also ab an den Punkt, und hier behielt der krasse Außenseiter Schweden tatsächlich die Oberhand. Nie zuvor hatte Schweden ein UEFA-Turnier gewonnen, nun war es soweit. Der Jubel war lang und ausgelassen, und mittendrin: Branimir Hrogta. Auch ohne im Finale gespielt zu haben, darf er sich nun Europameister nennen. Schön!

Damit war die EM beendet, und am nächsten Abend hieß es auch schon: Ab nach Hause. Schön war es!

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